Gesundheitslexikon
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Gehirn

Das Gehirn ist von allen Seiten mit einer festen Knochenwand umgeben, die lediglich an den Stellen, an denen die Nerven vom Gehirn durch die Schädelbasis in den Körper hinabziehen, von kleinen Lücken unterbrochen ist. Zwischen Gehirn und umgebenden Knochenwänden ist durch den so genannten Liquor (Gehirnflüssigkeit) eine Art Wasserkissen geschaffen, das ein unsanftes Anprallen des Gehirns an die knöcherne Wand verhindert. Das Gehirn selbst hat eine Form, die etwa dem Körper eines Schwans ähnelt, dessen Rumpf bei diesem Vergleich dem Hirnstamm (mit Kleinhirn, Brücke, Mittelhirn, Zwischenhirn) entsprechen würde. Von der Seite her falten sich die beiden Großhirnhälften wie die angelegten Flügel des Schwans über dem Hirnstamm zusammen. Sie sind durch eine große Mittelhirnfurche voneinander getrennt und enthalten jene Nervenzentren, von denen unser bewusstes Leben abhängig ist. Hier finden sich in bestimmten Zonen die Zentren für die »höheren« Funktionen: für das Sehen, für das Hören, für die geordneten Bewegungen von Armen und Beinen, für das Sprechen usw. Vom Hirnstamm aus werden dagegen alle die Reflexe
reguliert, die für den »primitiven« Bestand unseres Organismus wichtig sind: die unsere Atmung in Gang halten, die unser Herz nach Bedarf schneller schlagen lassen, die unseren Stoffwechsel überwachen usw. Der Anatom unterscheidet am Gehirn folgende Abschnitte: 1. Das Endhirn mit den beiden Großhirnhemisphären und den sie verbindenden Teilen sowie die beiden Seitenhirnkammern. 2. Das Zwischenhirn ist der Teil des Hirnstammes, der um die 3. Hirnkammer herumliegt. 3. Das Mittelhirn zwischen Zwischenhirn und Hinterhirn. 4. Das Rautenhirn bestehend aus: Hinterhirn (Brücke und Kleinhirn) und Nebenhirn (verlängertes Mark: Teil des Rückenmarks in der Schädelhöhle). Die beiden Hälften des Großhirns sind für die beiden Hälften unseres Körpers zuständig. Da sich jedoch die Nervenbahnen in ihrem Verlauf vom Gehirn zu den Gliedmaßen kreuzen, so gehört zur linken Großhirnhälfte die rechte Körperseite und zur rechten Großhirnhälfte die linke Körperseite. Ist etwa bei einem Schlaganfall die rechte Körperseite gelähmt, so kann daraus geschlossen werden, dass der den Schlaganfall verursachende Schaden im Gehirn in der linken Hirnhälfte stattgefunden hat. Da im Allgemeinen das Sprachzentrum im Gehirn nur in der linken Hirnhälfte voll ausgebildet ist, verläuft ein Schlaganfall, der die rechte Körperseite betroffen hat, im Allgemeinen zugleich mit einer Störung der Sprache, während derjenige, der einen linksseitigen Schlaganfall erlitt (bei dem also in der rechten Hirnhälfte ein Schaden eintrat), keine Störung seiner Sprache erleidet. Bei Linkshändern ist, im Gegensatz dazu, oft nur in der rechten Hirnhälfte ein Sprachzentrum voll ausgebildet, so dass bei ihnen ein linksseitiger Schlaganfall mit einer Sprachstörung, ein rechtsseitiger ohne Sprachstörung einhergeht. Das Gehirn des Mannes wiegt im Durchschnitt 1400, das der Frau 1250 Gramm. Für die Funktion des Gehirns kommt es aber nicht auf sein Gewicht, also auf seine Masse an, sondern auf die Durchbildung der vielen Windungen, die das Gehirn bei äußerlicher Betrachtung aufweist. Von den einzelnen Leistungen des Gehirns ist in den verschiedenen Kapiteln gesprochen, in denen diese Leistungen im Verlauf bestimmter Krankheiten oder bei bestimmten gesunden Funktionen des Organismus eine wesentliche Rolle spielen. Zur Untersuchung des Gehirns reicht oft schon die genaue Prüfung der Funktion der vom Gehirn ausgehenden Nerven durch den Facharzt aus. Ferner kann die Subokzipitalpunktion (Verfahren zur Entnahme von Gehirnflüssigkeit, das in seiner Art der Lumbalpunktion entspricht, die unter Rückenmark beschrieben ist) mit anschließender genauer Untersuchung des entnommenen Gehirnliquors wichtige diagnostische Aufschlüsse geben. In manchen Fällen, z. B. zur genauen Lagebestimmung eines im Gehirn vermuteten Krankheitsherdes, ist die Enzephalographie notwendig, d. h. eine Röntgenaufnahme des Gehirns, wozu vorher, damit ein deutliches Röntgenbild von der Form und Lage der Ventrikel (= Hirnkammern im Inneren des Gehirns) entsteht, die Hirnflüssigkeit mittels Subokzipitalpunktion zum Teil abgelassen und durch Luft ersetzt wird (Luftfüllung der Hirnventrikel). In größeren Fachkliniken kann gegebenenfalls auch die Elektroenzephalographie (siehe Elektrodiagnostik) zur Diagnose bestimmter Vorgänge im Gehirn herangezogen werden, jene Methode, bei der die Aktionsströme der tätigen Gehirnzellen vom Kopf abgeleitet werden wie die Aktionsströme des Herzens bei der Elektrokardiographie. Zur Elektroenzephalographie siehe auch unter Gehirngeschwulst.

 

 

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