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Geschlecht

Unter den 46 Chromosomen (siehe Vererbung) sind zwei Geschlechtschromosomen: das relativ große XChromosom und das sehr viel kleinere YChromosom. Von diesen Chromosomen hängt die Geschlechtsbestimmung ab. Männer haben ein X und ein YChromosom, Frauen zwei XChromosomen. Das YChromosom ist für die Entwicklung der männlichen Keimdrüse verantwortlich. Bereits bei der Empfängnis wird das Geschlecht der Frucht festgelegt; das ist das chromosomale Geschlecht. Die Keimdrüsen (Hoden bzw. Eierstöcke) bilden das gonadale Geschlecht. Die Keimdrüsen
ihrerseits bestimmen die Entwicklung der Geschlechtsmerkmale, die das genitale Geschlecht darstellen. Zur Bestimmung des chromosomalen Geschlechtes wird heute das Kerngeschlecht herangezogen: Geschlechtsunterschiede lassen sich in den Kernen fast aller Körperzellen nachweisen. Man untersucht unter dem Mikroskop gefärbte Zellen von Haut, Mundschleimhaut oder Blut und kann dabei feststellen, ob diese Zellen von einem männlichen oder weiblichen Individuum stammen. Das Zellmaterial, aus dem sich die Geschlechtsorgane entwickeln, lässt in den ersten vier Monaten des Lebens einer menschlichen Frucht – also fast bis zur Hälfte der Schwangerschaft –keine Unterschiede erkennen. Erst im fünften Embryonalmonat beginnt die Differenzierung dieses Zellmaterials, die Entwicklung männlicher oder weiblicher Geschlechtsorgane, je nach der Bestimmung, die ihm bereits im Augenblick der Befruchtung mitgegeben wurde. Die Herkunft aus zunächst einheitlichem Zellmaterial erklärt die Entsprechungen, die die unterschiedlichen Geschlechtsorgane des Mannes und der Frau auch später noch erkennen lassen. Die männlichen Keimdrüsen, die Hoden, entsprechen den weiblichen Eierstöcken. Jene liefern die Samenfäden, die durch Nebenhoden (bestehend aus den auf geknäulten feinen Ausführungsgängen des Hodens) und Samenleiter zu den Samenblasen und von dort bei der Ejakulation, beim Samenerguß, in die Harnröhre gebracht werden; in den Eierstöcken bilden sich die weiblichen Keimzellen, die Eier, die durch den Eileiter in die Gebärmutter (Uterus) gelangen. Während die weiblichen Eierstöcke (Ovarien) tief in der Bauchhöhle beiderseits der Gebärmutter liegen bleiben, rücken die Hoden, die beim männlichen Embryo zunächst ebenfalls im Bauch lagen, durch den Leistenkanal beiderseits in eine Hautvorbuchtung, wobei durch das Zusammenwachsen der rechten und der linken Hautvorbuchtung schließlich der Hodensack (Skrotum) entsteht, in dem dann die beiden Hoden liegen, wenn der Junge geboren wird. Es gibt eine Entwicklungsstörung, bei der einer oder beide Hoden diesen normalen Weg aus der Bauchhöhle bis ins Skrotum nicht vollenden, sondern im Bauchraum oder im Leistenkanal steckenbleiben (Leistenhoden); der Arzt nennt diese Entwicklungsstörung Kryptorchismus (verborgener Hoden). Es ist wichtig, dass diese Entwicklungshemmung spätestens im 10. Lebensjahr des Jungen durch ärztliche Behandlung (Hormontherapie oder Operation) behoben wird. Auch bei der weiblichen Entwicklung bilden sich zwei solche Hautfalten aus, die, wie eben gesagt, beim Mann später das Skrotum ergeben. Sie werden bei der Frau zu den so genannten großen Schamlippen. Dem Gewebe des männlichen Gliedes (Penis), in dem die so genannten Schwellkörper liegen, die sich bei der Erektion stark mit Blut füllen, entspricht bei der Frau das Gewebe der kleinen Schamlippen, in denen ebenfalls kleine Schwellkörper vorhanden sind. Der empfindlichen Eichel (Glans) des männlichen Gliedes entspricht bei der Frau der Kitzler (Klitoris). Bei den Geschlechtsmerkmalen unterschei det man neben den soeben besprochenen eigentlichen Geschlechtsorganen, den »primären Geschlechtsmerkmalen«, auch die »sekundären Geschlechtsmerkmale«, die noch nicht bei der Geburt des Kindes vorhanden sind, sondern sich erst im Laufe der Entwicklung herausbilden, besonders nachdem die Keimdrüsen in den Jahren der Geschlechtsreife (Pubertät) ihre Funktion als Drüsen mit innerer Sekretion aufgenommen haben. (siehe dazu auch Geschlechtsreife.) Zu diesen sekundären Geschlechtsmerkmalen gehören zum Beispiel beim Mann der Bartwuchs, der Stimmwechsel, der kräftigere Knochenbau mit stärkerer Entwicklung der Schulterpartien im Verhältnis zu den Beckenknochen, bei der Frau die Ausbildung der weiblichen Brust, die spezifische Fettverteilung am Körper, die neben der Brust die Hüftgegend bevorzugt, und die im Verhältnis zum Schultergürtel stärkere Entwicklung der Beckenknochen. – Wie weit die Ausgestaltung des Körpers von der Tätigkeit der Keimdrüsen abhängt, lässt sich an jenen Menschen erkennen, denen die Keimdrüsen entfernt worden sind (»Kastration«). Geschieht das beim noch jungen Mann, so verliert ein solcher Mensch (er wird als »Eunuch« bezeichnet) wieder seinen Bartwuchs, seine Muskulatur wird schlaffer, seine Stimme wechselt wieder zur hohen Stimme, die Fettverteilung an seinem Körper wird der bei der Frau ähnlich. In sehr seltenen Fällen kann als angeborene Störung eine Intersexualität auftreten: Vorhandensein von Merkmalen beider Geschlechter bei einem Individuum. Chromosomales, gonadales und genitales Geschlecht stimmen nicht überein. Man spricht von einem echten Hermaphroditismus (Zwitterbildung), wenn gleichzeitig Eierstock und Hodengewebe vorhanden sind. Beim Pseudohermaphroditismus sind die Keimdrüsen des einen und die Geschlechtsmerkmale des anderen Geschlechts vorhanden, wobei chromosomales und gonadales Geschlecht übereinstimmen. Dementsprechend unterscheidet man zwei Untergruppen: 1. Keimdrüsen und chro mosomales Geschlecht sind männlich, die äußeren Geschlechtsorgane und die sekundären Geschlechtsmerkmale hingegen mehr oder weniger weiblich (Androgynie). 2. Keimdrüsen und chromosomales Geschlecht sind weiblich, die äußere Erscheinung ist mehr oder weniger männlich (adrenogenitales Syndrom: vermehrte Bildung von männlichem Geschlechtshormon in der Nebennierenrinde als Folge einer angeborenen Enzymopathie; s. dazu unter Enzymopatbologie). – Heute sind die eigentlichen Ursachen der Intersexualität zum Teil geklärt; in manchen Fällen liegt eine ChromosomenAberration vor (siehe dazu Chromosomenpathologie).

 

 

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